Sozialtraining

Handlungsorientierte Methoden zum Sozialen Lernen und zur Gewaltprävention

Das Konzept verfolgt das Ziel einen langfristig angelegten, geschützten Bewegungs- und Sozialerfahrungsraum zu bieten, in dem das Nachreifen bisher nicht bewältigter Entwicklungsaufgaben und Fähigkeiten angeregt wird. Grundlegendes Ziel des Trainings ist eine Verbesserung der sozialen Wahrnehmung und das Einüben angemessener Verhaltensweisen. Die Schüler werden bestärkt, Situationen, die sie herausfordern, sicher und erfolgreich zu bewältigen. Sie bauen im geschützten Rahmen des Trainings zugrunde liegende Ängste ab und lernen, ihre Emotionen besser wahrzunehmen und Impulse zu kontrollieren.

Bei SchülerInnen mit erhöhtem Förderbedarf fällt auf, dass sie Schwierigkeiten haben sich einer Gruppe (oder sogar einem Du) anzupassen. Sie verstehen oft nicht die Notwendigkeit gemeinsamer Regeln und können ihre eigenen Bedürfnisse nicht zurückstellen. Es fällt ihnen schwer zu verlieren und nicht im Mittelpunkt zu stehen. Damit stehen sie sich im Schulalltag oft selbst im Weg. Die meisten von ihnen haben eine ausgesprochen charmante und liebenswerte Seite, die sie in Einzelsituationen regelmäßig zeigen. Weiterhin beobachten wir Schüler, die nicht in der Lage sind, soziale Situationen, Mimik und Gestik ihres Gegenübers realistisch wahrzunehmen, adäquat zu interpretieren und entsprechend angemessen zu reagieren. Die für den sozialen Umgang entscheidende Emphatie haben sie nicht entwickelt. Sie verfügen oft  nicht über die Entwicklungsreife, sich zuverlässig willentlich für oder gegen ein Verhalten zu entscheiden. Ihre Förderung braucht körpernahes, psychomotorisches Lernen und eine akzeptierende Annahme ihres besonderen Lebensmilieus.

Den methodisch-didaktischen Schwerpunkt der Trainingsgruppen bilden einfach verständliche, handlungsorientierte und jugendgerechte Spiele und Übungsformen zur Gestaltung der Körper- und Bewegungsbildung, zum sozialen Regelverständnis und zur Gestaltung sozialer Interaktion und Kooperation.

Spiele und Bewegungsaktivitäten bieten vielfältige Gelegenheiten, soziale Lernprozesse zu initiieren und zu gestalten. Zimmer beschreibt fünf Basiskomponenten sozialen Handelns, die bei Bewegungsaktivitäten in der Gruppe eine Rolle spielen bzw. aufgrund bestimmter Regeln und Spielgedanken in das Spiel integriert sind:

Soziale Sensibilität:

– Gefühle anderer wahrnehmen

– sich in die Lage eines anderen hineinversetzen

– die Bedürfnisse anderer erkennen

– Wünsche anderer anerkennen

Toleranz und Rücksichtnahmen:

– die Leistungen anderer akzeptieren und anerkennen

– die Andersartigkeit anderer respektieren

– die Bedürfnisse anderer tolerieren und sich beim gemeinsamen Spiel darauf einlassen

– auf schwächere Schüler Rücksicht nehmen

Kontakt- und Kooperationsfähigkeit

– Beziehung zu anderen aufnehmen

– im Spiel unterschiedliche Rollen einnehmen

– Hilfe annehmen und anfordern

– Andere unterstützen

– gemeinsam Aufgaben lösen

– eigene Gefühle ausdrücken und anderen mitteilen

– sich verbal mit Anderen auseinandersetzen

Frustationstoleranz

– Bedürfnisse aufschieben

– mit Misserfolgen umgehen lernen

– sich in eine Gruppe einordnen können

– mit Konflikten umgehen lernen und sie konstruktiv zu lösen versuchen

Regelverständnis

– den Sinn von Regeln verstehen

– Regeln für ein Spiel aufstellen können

– Gruppenspiele mit einfachen Regeln spielen

– flexibel mit Regeln umgehen und sie der jeweiligen Situation anpassen

Der Erwerb sozialer Kompetenzen ist auf Anlässe angewiesen, die Kinder in ihren Fähigkeiten herausfordern. Dabei geht es nicht um Belehrung, sondern um Erfahrung. Nur das selbst Erfahrene kann zur Verinnerlichung von Regeln führen – so dass diese auch auf andere Alltagssituationen übertragen werden können.

Das Programm sieht Einzel-, Partner- und Gruppenübungen vor. Die Übungen sind den lern- und entwicklungspsychologischen Voraussetzungen der Schüler angepasst und orientieren sich an der natürlichen Entwicklung „vom Ich zum Du zum Wir“. Jeder Schüler arbeitet an einem individuellen, kleinschrittigen Ziel, das er zusammen mit dem Gruppenleiter aufstellt. Wird das Ziel über einen längeren Zeitraum erreicht, steht eine Belohnung an. Anschließend wird ein neues Ziel festgelegt. Die Teilnahme ist für die Schüler verpflichtend. Die Eltern werden über die Teilnahme ihres Kindes am Training informiert. Das Programm findet in den ersten beiden Stunden statt. Dies ist günstig, da Eindrücke vom Morgen und der Busfahrt in der Fördergruppe gelassen werden und die Klasse ohne den vermeintlich „störenden“ Schüler in aller Ruhe beginnen kann.